Proteste und starke Worte zur Eröffnung

Das Leipziger Gewandhaus  war früher schon ein Ort, an dem viel diskutiert wurde und ich kann mich noch gut dran erinnern, wie ich Anfang 1990, also relativ kurz nach dem Fall der Mauer, zum ersten Mal dort war zu einer Veranstaltung mit Kurt Masur – nein, das war kein Konzert, sondern es ging um Demokratie und Meinungsfreiheit.

Beides war auch heute Abend Thema bei der Eröffnung der Leipziger Buchmesse. Doch bevor drinnen der Festakt beginnen konnte, gab es draußen eine Protestveranstaltung – gegen die Zulassung rechter Verlage auf der Buchmesse.

Drinnen gab es dann starke Worte und es ging so politisch zu, wie schon lange nicht mehr. . Die Branche sei ein Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen, sagte Heinrich Riethmüller, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Und er ergänzte, Bücher hätten die Kraft, gesellschaftliche Debatten anzustoßen. Die bräuchten wir dringend, meinte Michael Kretschmer, Sachsens Ministerpräsident. Im Meinungs-Austausch, in der Debatte müssten wir die Demokratie verteidigen, hart in der Sache, aber „anständig“ im Ton. Und Hass und Beleidigungen hätten in dieser Debatte nichts verloren.

Inmitten all dieser guten Gedanken und Argumente sorgte das Gewandhausorchester in seinem 275 Jahr für einen Ohrenschmaus und wunderbare Verschnaufpausen. Das war auch bitter nötig, bevor es um „Einer von uns“ ging.  So heißt das Buch, mit dem die norwegische Journalistin und Autorin Asne Seierstad die Jury überzeugt hat und wofür sie heute Abend mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018 ausgezeichnet wurde. Absolut beeindruckend, diese Frau, die sich jahrelang mit Anders Breivik und seinen Opfern in Oslo und Utoya befasst hat und hier in Leipzig dazu aufruft, den Hass nicht siegen zu lassen und weiterhin für Toleranz, Solidarität, Verständnis und Integration einzutreten – denn „auf lange Sicht“, sagt Asne Seierstad, „sind Worte stärker“.

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